. Hüssner - Ein Weg hinters Licht
Hüssner, Joachim, Ein Weg hinters Licht
1. Auflage 2012, Drachenmond, Leverkusen

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JH EWHL S. 67

Als ich Pia kennegelernt habe, war sie der Inbegriff einer selbstbewussten Frau, die mit beiden Beinen mitten im Leben stand. Sie hatte ihren Beruf in der berühmt berüchtigten psych- iatrischen Klinik in München Haar erlernt. lhr früherer Lebens- gefährte und Verenas Vater zog wegen seines Medizinstudiums ins Ruhrgebiet und sie war mitgegangen. Nach der Trennung ist er nach Bayern zurückgekehrt, während Pia mit Vee im Pott geblieben ist. Sie kam mit der Mentalität der Ruhrgebietler; wesentlich besser zurecht als mit der bayrischen. Noch nicht einmal eine süddeutssche Klangfärbung zeugte mittlerweile mehr von ihrer Herkunft. Weil sie wegen der teils schlimmen Erlebnisse in der Psychiatrie nicht in dieser Sparte weiterarbei- ten wollte, hatte sie in die ambulante Pflege gewechselt, Und da war genau das, was ihr entsprach. Sie fuhr zu den Patienten, die sich immer auf ihre Besuche freuten, verrichtete ihre Dienste, unterhielt sich noch ein bisschen und machte sich auf zum nächsten. Bald kannte sie alle Lebensgeschichten ihrer Schütz- linge.

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Seite 67 Hüssner, Joachim, Ein Weg hinters Licht
1. Auflage 2012, Drachenmond, Leverkusen